"Thinking of your child as 'behaving badly' disposes you to think of punishment. Thinking of your child as 'struggling to handle something difficult' encourages you to help them through their distress."

 

Malie Coyne

Was ist Neurophysiologische Entwicklungsförderung?

 

Der Begriff Neurophysiologische Entwicklungsförderung weist auf eine enge Verbindung zwischen Neurologischem, also die Neurologie, das Nervensystem  Betreffendes (griechisch neuron „Nerv“ – und –logie vom altgriechischen lógos, das Wort oder auch die Lehre, der Sinn, die Rede, die Vernunft) und Physiologischem, also die Lebensvorgänge im gesamten Organismus Betrachtendes  (altgriechisch physis, die Natur) hin.

 

Bereits wenige Wochen nach der Empfängnis können wir beobachten, wie der Embryo im Mutterleib sich bei einem Stimulus zurückzieht. Diese zu beobachtende Rückzugsreaktion beschreibt einen Reflex, also eine unbewusste Handlung, die auf der Ebene des Rückenmarks, also der niedersten Ebene der neurologischen Entwicklung abläuft. Im weiteren Verlauf der prä- und postnatalen Entwicklung werden nun immer höhere Hirnregionen angesprochen, wenn das Kind beginnt, zu explorieren. Es entstehen einfachste unwillkürliche Bewegungsmuster zur Vorbereitung auf komplexe willkürliche Handlungen, die maßgeblich am Geburtsvorgang beteiligt sind und dem Säugling in den ersten Wochen nach der Geburt ein Überleben garantieren. Nachgeburtlich erscheinende Reflexe entwickeln sich in Verbindung mit höheren Gehirnregionen und stellen die Grundlage für Haltung und Haltungskontrolle. Sie ebnen den Weg von aped (ohne Füße), über quadroped (Kriechen und Krabbeln) hin zum aufrechten Gang auf zwei Füßen (biped).

 

Man stelle sich diese Entwicklung vor wie etwa bei einem Dominospiel. Stößt man den ersten Stein an, so fallen nach und nach alle Steine der Reihe um. Die meisten Reflexe werden so nach und nach durch bewusste Reaktionen ersetzt. Verschiedene Einflüsse, wie Komplikationen in der Schwangerschaft, eine nicht optimal verlaufende Geburt, ein sehr früher Geburtstermin, schwere Krankheit in den ersten Monaten usw. können bewirken, dass diese Entwicklung nicht wie gewünscht verläuft. Dann ist ein Dominostein nur halb oder auch gar nicht umgefallen. Das Kind kann sich jedoch, unbemerkt dessen, durchaus wunderbar entwickeln. Es ist ein normales und gesundes Kind. Erst mit Zunahme der Anforderungen, die dann Kindergarten, Schule und Ausbildung oder Studium stellen, wird das Kind unter Umständen Auffälligkeiten im Lernen und / oder Sozialen und auch Symptome auf der physischen Ebene zeigen, wie z. B. koordinative Schwierigkeiten, Gleichgewichtsstörungen und Ängste. Dies liegt nun möglicherweise daran, dass es auf einige Sinnesreize auf eine reflexhafte, unbewusste, also nicht wissentlich gesteuerte und auch nicht altersgemäße Antwort aus dem Bereich der unteren Gehirnregionen zurückgreift. Diese Entwicklungssprünge mag es nun lange Zeit mit ganzer Kraft kompensiert und sich damit eingerichtet haben. Unsere Kräfte als Mensch sind jedoch nicht unendlich. So werden irgendwann die Anforderungen eben zu hoch, so dass das Kind Eltern, Erziehern oder Lehrern auffällt. Dabei muss unbedingt bedacht werden, wie hoch intelligent diese Kinder sind, die solcherlei Unzulänglichkeiten ihres physischen Leibes so grandios zu kompensieren wissen, Schule und Studium und den normalen Alltag meistern – und dies teils über Jahre hinweg bis in das Erwachsenenalter! Die Neurophysiologische Entwicklungsförderung kann nun mit Hilfe eines über Jahrzehnte entwickelten Testverfahrens die nicht ganz oder gar nicht umgefallenen Dominosteine, also die Stellen neurophysiologischer Unreife aufspüren. Durch gezielte Körperübungen kann dann in jedem Alter eine Nachreifung angeregt werden. Der Dominostein wird also nachträglich umgestoßen. Der Weg zu einem bewussten Handeln aus den Motiven der ganz eigenen Persönlichkeit wird frei! Viele Menschen entwickeln nun erstmals Qualitäten wie Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Selbstvertrauen, Humor, Empathie, Durchsetzungs- und Abgrenzungsfähigkeit. Teilleistungsschwächen im Lesen, Rechnen und/oder Schreiben gehören nun möglicherweise der Vergangenheit an.

 

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